Ali Nazik ist eines der ikonischsten Gerichte der südostanatolischen Küche: würzig gebratenes Hackfleisch (oder Lammwürfel) thront auf einem cremigen, rauchig-geräucherten Auberginenpüree, das mit Knoblauch-Joghurt verfeinert wird. Die Kombination aus warmem Fleisch, kühlem Joghurt und dem tiefen Raucharoma der über offener Flamme gegarten Auberginen macht es zu einem echten Festessen. Es ist der perfekte Hauptgang für ein besonderes Abendessen mit Gästen oder ein gemütliches Familienmahl. Wer türkisches Soulfood liebt, kommt an diesem Klassiker nicht vorbei.
Herkunft & Geschichte
Ali Nazik stammt aus Gaziantep, der heimlichen Hauptstadt der türkischen Küche im Südosten Anatoliens, die 2015 sogar von der UNESCO als Stadt der Gastronomie ausgezeichnet wurde. Der Legende nach soll das Gericht im 16. Jahrhundert entstanden sein, als der osmanische Sultan Yavuz Sultan Selim auf einem Feldzug in der Region bewirtet wurde. Begeistert vom Geschmack fragte er, wessen sanfte, geschickte Hand (türkisch „eli nazik“) dieses Wunder gekocht habe – aus „eli nazik“ wurde im Volksmund schließlich „Ali Nazik“. Ob wahr oder nicht, die Geschichte spiegelt die hohe Wertschätzung wider, die dieses Gericht in Anatolien genießt.
In der Türkei ist Ali Nazik ein typisches Gericht für besondere Anlässe, Familienfeiern und Gästebewirtung – es steht in Gaziantep und Umgebung oft auf der Speisekarte guter Kebap-Häuser. Klassisch wird es mit gewürfeltem Lammfleisch (Kuşbaşı) zubereitet, in vielen Haushalten und außerhalb der Ursprungsregion setzt man jedoch auf Hackfleisch, das schneller gart und leichter zu bekommen ist. Serviert wird es traditionell mit einem Klecks zerlassener Butter mit Paprikaflocken (Pul Biber) obendrauf und frischem Fladenbrot zum Auftunken. Regionale Varianten reichen von schärfer gewürzt bis hin zu Versionen mit Tomaten- oder Paprikamark im Fleisch.
Zutaten (4 Portionen)
- 3 große Auberginen (ca. 900 g)
- 500 g Rinder- oder Lammhackfleisch
- 1 Zwiebel, fein gewürfelt
- 2 EL Tomatenmark
- 3 EL Olivenöl
- 400 g griechischer Joghurt (10 % Fett)
- 2 Knoblauchzehen, gepresst
- 1 TL Salz
- 1 TL Pul Biber (türkische Paprikaflocken)
- 1/2 TL schwarzer Pfeffer
- 1/2 TL Kreuzkümmel (gemahlen)
- 40 g Butter
- 1 EL Zitronensaft
- frische Petersilie zum Garnieren
Zubereitung
- Die Auberginen mit einer Gabel mehrmals einstechen und direkt über der Gasflamme, unter dem Backofengrill oder auf dem Grill rundum rösten, bis die Haut schwarz und die Auberginen weich sind – das dauert ca. 15 Minuten und sorgt für das typische Raucharoma.
- Die gerösteten Auberginen kurz abkühlen lassen, dann die verkohlte Haut entfernen. Das weiche Fruchtfleisch mit einem Messer grob hacken und mit 1 EL Zitronensaft beträufeln, damit es hell bleibt.
- Für das Püree den Joghurt mit dem gepressten Knoblauch und einer Prise Salz verrühren, das Auberginenfleisch untermischen und zu einer cremigen Masse verrühren. Beiseitestellen.
- In einer Pfanne 3 EL Olivenöl erhitzen und die gewürfelte Zwiebel bei mittlerer Hitze ca. 4 Minuten glasig dünsten.
- Das Hackfleisch dazugeben und unter Rühren ca. 8 Minuten krümelig anbraten, bis die Flüssigkeit verdampft ist und das Fleisch leicht bräunt.
- Tomatenmark, Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel und die Hälfte des Pul Biber unterrühren und weitere 3 Minuten mitbraten, bis alles gut durchgezogen ist.
- Das Auberginenpüree leicht anwärmen (bei sehr milder Hitze, nicht kochen) und auf einer Servierplatte oder tiefen Tellern verteilen.
- Das gebratene Hackfleisch mittig auf das Püree geben.
- Die Butter mit dem restlichen Pul Biber in einem kleinen Topf schmelzen, bis sie leicht schäumt, und über das Gericht träufeln.
- Mit frischer Petersilie bestreuen und sofort mit warmem Fladenbrot servieren.
Nährwerte (pro Portion)
- Kalorien: 450 kcal
- Eiweiß: 28 g
- Fett: 32 g
- Kohlenhydrate: 12 g
Tipps
- Für das intensivste Raucharoma die Auberginen unbedingt direkt über offener Flamme rösten – im Ofen wird es milder, funktioniert aber auch.
- Variante mit Lamm: Statt Hackfleisch 500 g gewürfeltes Lammfleisch (Kuşbaşı) verwenden und länger schmoren – so wird es dem Original aus Gaziantep am nächsten.
- Wer es cremiger mag, mischt einen Schuss Sahne oder etwas geriebenen Kaşar-Käse unter das warme Auberginenpüree.
- Vegetarische Variante: Das Hackfleisch durch angebratene Champignons oder gewürzte Kichererbsen ersetzen.
- Serviere dazu einen Tomaten-Zwiebel-Salat mit Sumak und Bulgur-Pilaw – so wird aus dem Gericht ein vollständiges türkisches Menü.
Häufige Fragen
Kann ich Ali Nazik vorbereiten?
Ja. Das Auberginenpüree und das Hackfleisch lassen sich getrennt bis zu 2 Tage im Kühlschrank aufbewahren. Vor dem Servieren beides sanft erwärmen und frisch anrichten – so bleibt der Joghurt cremig.
Wie bewahre ich Reste auf?
Reste in einem luftdichten Behälter im Kühlschrank halten sich 2–3 Tage. Da Joghurt enthalten ist, nur schonend bei niedriger Hitze erwärmen, damit er nicht gerinnt.
Kann man Ali Nazik einfrieren?
Das Hackfleisch lässt sich problemlos einfrieren. Das joghurthaltige Auberginenpüree eignet sich weniger zum Einfrieren, da der Joghurt beim Auftauen wässrig werden kann – dieses am besten frisch zubereiten.
Welche Beilagen passen zu Ali Nazik?
Klassisch passt warmes Fladenbrot (Lavaş oder Pide) zum Auftunken. Dazu schmecken Bulgur-Pilaw, ein frischer Sumak-Zwiebel-Salat oder gegrillte Spitzpaprika und Tomaten.
Kann ich es ohne Gasherd machen?
Ja. Rösten Sie die Auberginen unter dem Backofengrill bei 250 °C, bis die Haut rundum schwarz und blasig ist (ca. 25–30 Minuten, mehrmals wenden). Das Raucharoma wird milder, das Ergebnis aber trotzdem köstlich.





