Tavuk Çorbası ist die klassische türkische Hühnersuppe: eine klare, goldgelbe Brühe mit zartem Hähnchenfleisch, feinen Suppennudeln (şehriye) und einem Spritzer Zitrone. Sie gilt in der Türkei als das Hausmittel schlechthin – bei Erkältung, an kalten Tagen oder als leichter erster Gang vor einem großen Essen. Anders als die deutsche Hühnersuppe bekommt sie am Ende einen Löffel in Butter geschwenktes Paprikapulver, der ihr Farbe und ein feines, rauchiges Aroma gibt. Mit einer ganzen Hähnchenkeule oder Hähnchenbrust auf dem Knochen wird die Brühe kräftig, ohne dass man einen Suppenwürfel braucht.
Herkunft & Geschichte
Suppe – çorba – steht in der türkischen Küche nicht am Rand, sondern am Anfang jeder ordentlichen Mahlzeit. Die Tradition reicht bis in die osmanischen Palastküchen zurück, wo Suppen ein eigenes Ressort hatten, und noch weiter in die Nomadenküche Zentralasiens, in der ein Topf mit Brühe die Grundlage der Ernährung war. Tavuk Çorbası ist innerhalb dieser Familie die schlichteste und zugleich beliebteste Variante: Geflügel war lange erschwinglicher als Lamm, und aus einem einzigen Huhn ließen sich Brühe, Suppeneinlage und ein Hauptgericht gewinnen. In vielen Haushalten wird sie deshalb bis heute nicht aus Filet gekocht, sondern aus den Teilen, die sonst übrig blieben – Rücken, Flügel, Keulen. Der Zitronenspritzer am Ende ist kein moderner Einfall, sondern folgt dem alten Prinzip der ekşili çorba, der säuerlichen Suppen, die vom Balkan bis nach Anatolien verbreitet sind.
Im türkischen Alltag ist Tavuk Çorbası fest verankert: Sie ist die erste Speise nach dem Fastenbrechen im Ramadan, sie steht in jeder Lokanta ab dem frühen Morgen im Wärmebehälter, und Mütter kochen sie, sobald jemand in der Familie hustet. Regional wird sie unterschiedlich weitergedacht – am Schwarzen Meer und in Mittelanatolien bindet man sie gern mit einer terbiye aus Eigelb und Joghurt zu einer samtigen, hellen Suppe, während sie an der Ägäis eher klar und zitronig bleibt. In Städten wie Konya und Kayseri kommt statt der feinen şehriye oft Reis oder feiner Bulgur hinein. Serviert wird fast immer mit einer Zitronenspalte am Tellerrand, frischem Weißbrot und einer Prise Chiliflocken (pul biber) für alle, die es schärfer mögen.
Zutaten (4 Portionen)
- 500 g Hähnchenkeulen oder Hähnchenbrust mit Knochen
- 1,5 l Wasser
- 1 Zwiebel, halbiert
- 1 Karotte, in feine Würfel geschnitten
- 1 Stange Staudensellerie (optional), fein gewürfelt
- 80 g feine Suppennudeln (şehriye) oder Fadennudeln
- 2 EL Butter
- 1 EL Mehl
- 1 TL edelsüßes Paprikapulver
- 1/2 TL getrocknete Minze
- 2 EL Zitronensaft (etwa 1/2 Zitrone)
- 1,5 TL Salz
- 1/2 TL schwarzer Pfeffer
- 2 EL frische Petersilie, gehackt
Zubereitung
- Das Hähnchenfleisch kalt abspülen und mit 1,5 l Wasser, der halbierten Zwiebel und 1 TL Salz in einen großen Topf geben. Aufkochen lassen und den aufsteigenden Schaum sorgfältig abschöpfen – nur so wird die Brühe klar.
- Hitze reduzieren und die Brühe halb zugedeckt 30 Minuten sanft köcheln lassen, bis sich das Fleisch leicht vom Knochen lösen lässt.
- Das Hähnchen herausnehmen und etwas abkühlen lassen. Die Brühe durch ein feines Sieb gießen, Zwiebel entsorgen und die Brühe wieder in den Topf geben.
- Das Fleisch von Haut und Knochen lösen und in mundgerechte Stücke zupfen. Beiseitestellen.
- Karotten- und Selleriewürfel in die Brühe geben und 8 Minuten köcheln, bis sie bissfest sind. Anschließend die feinen Nudeln zugeben und 5 Minuten mitkochen, dabei einmal umrühren, damit nichts zusammenklebt.
- In einer kleinen Pfanne 1 EL Butter schmelzen, das Mehl einstreuen und unter Rühren 1 Minute anschwitzen, bis es hell duftet. Zwei Kellen heiße Brühe einrühren, bis eine glatte Masse entsteht, dann alles zurück in den Topf geben und einrühren.
- Das gezupfte Hähnchenfleisch zurück in die Suppe geben, mit Salz und Pfeffer abschmecken und weitere 5 Minuten leise ziehen lassen.
- Die restliche Butter in der Pfanne schmelzen, vom Herd nehmen und Paprikapulver sowie getrocknete Minze einrühren – das Paprikapulver darf nicht verbrennen, sonst wird es bitter.
- Zitronensaft in die Suppe rühren und noch einmal abschmecken. Die Suppe in tiefe Teller füllen, die Paprikabutter darüberträufeln und mit Petersilie bestreuen. Mit einer Zitronenspalte und frischem Weißbrot servieren.
Nährwerte (pro Portion)
- Kalorien: 310 kcal
- Eiweiß: 26 g
- Fett: 13 g
- Kohlenhydrate: 21 g
Tipps
- Für eine besonders klare Brühe das Wasser nie sprudelnd kochen lassen – ein leises Simmern und konsequentes Abschöpfen machen den Unterschied.
- Variante mit terbiye: 1 Eigelb mit 3 EL Naturjoghurt und dem Zitronensaft verquirlen, langsam 2 Kellen heiße Brühe einrühren und die Mischung erst dann bei ausgeschalteter Hitze in die Suppe geben. Ergibt eine cremige, hellere Suppe – danach nicht mehr aufkochen, sonst gerinnt sie.
- Variante mit Reis statt Nudeln: 60 g Rundkornreis anstelle der şehriye zugeben und 15 Minuten mitkochen. So wird die Suppe sättigender und ist glutenfrei, wenn das Mehl durch 1 TL Speisestärke ersetzt wird.
- Die Suppe zieht beim Stehen stark nach, weil die Nudeln Flüssigkeit aufnehmen. Beim Aufwärmen einfach 100–200 ml Wasser oder Brühe zugeben.
- Wer es schärfer mag, streut zum Servieren pul biber (türkische Chiliflocken) darüber – das ist in der Türkei der Standard am Tisch.
Häufige Fragen
Wie lange hält sich Tavuk Çorbası im Kühlschrank?
In einem verschlossenen Behälter hält sie sich 3 Tage im Kühlschrank. Vor dem Servieren einmal richtig aufkochen und etwas Wasser oder Brühe zugeben, da die Nudeln nachquellen.
Kann ich die Suppe einfrieren?
Ja, aber am besten ohne Nudeln. Brühe mit Fleisch und Gemüse portionsweise bis zu 3 Monate einfrieren, dann auftauen, aufkochen und die Nudeln frisch darin garen. Mit terbiye (Ei-Joghurt) gebundene Suppe eignet sich nicht zum Einfrieren.
Kann ich die Suppe vorbereiten?
Sehr gut sogar. Brühe kochen, Fleisch zupfen und beides bis zu 2 Tage kühl stellen. Am Serviertag nur noch Gemüse und Nudeln garen, die Mehlschwitze einrühren und mit Paprikabutter und Zitrone abschmecken – das dauert keine 15 Minuten.
Geht das Rezept auch mit fertiger Hühnerbrühe?
Ja. Nimm 1,5 l gute Hühnerbrühe und 300 g gegartes Hähnchenfleisch, dann bist du in etwa 20 Minuten fertig. Die selbst gekochte Brühe aus Fleisch am Knochen hat allerdings deutlich mehr Körper und braucht kein zusätzliches Fett.
Was passt als Beilage dazu?
Klassisch frisches Weißbrot oder Pide zum Eintunken, dazu Zitronenspalten und pul biber. Als leichtes Menü passt anschließend ein Çoban Salatası oder gefüllte Weinblätter (Yaprak Sarma).





