Türkische Teiggerichte

Kıymalı Pide Rezept – Türkische Pide-Schiffchen mit Hackfleisch

⏱️ 6 Min. 🍽️ Türkische Küche 👨‍🍳 Von Murat Gemici

Kıymalı Pide sind die berühmten schiffchenförmigen Fladen aus der türkischen Küche – ein hauchdünner, luftiger Hefeteig, gefüllt mit würzig gebratenem Hackfleisch, Zwiebeln, Paprika und Tomaten. In der Türkei ist Pide das, was in Italien die Pizza ist: das perfekte Gericht zum Teilen, egal ob als schnelles Mittagessen, herzhafter Snack oder Mittelpunkt eines geselligen Abendessens. Was diese Variante so besonders macht, ist die Kombination aus knuspriger Kruste und saftiger Füllung, die schon beim Backen den ganzen Raum mit einem unwiderstehlichen Duft erfüllt. Mit ein paar einfachen Zutaten aus jedem deutschen Supermarkt zauberst du dir die türkische Bäckerei direkt in die eigene Küche.

Herkunft & Geschichte

Die Pide gilt als eine der ältesten Brotformen Anatoliens und hat ihre Wurzeln in der frühen türkischen und osmanischen Backtradition. Ihren Namen soll sie mit dem griechischen ‚pita‘ und dem italienischen ‚pizza‘ teilen – alle drei stammen vermutlich von gemeinsamen mediterranen Ursprüngen ab. Besonders im Schwarzmeergebiet rund um Trabzon und Rize entwickelte sich die charakteristische Schiffchenform, deren hochgezogene Ränder die Füllung sicher umschließen. Über Jahrhunderte war die Pide fester Bestandteil der anatolischen Alltagsküche, weil sie sättigend, günstig und in großen Steinöfen leicht in Serie zu backen war.

In der Türkei wird Kıymalı Pide traditionell in der ‚Pideci‘, einer spezialisierten Pide-Bäckerei, frisch aus dem Holzofen serviert – oft in lange Streifen geschnitten und mit einem Stück Zitrone und frischer Petersilie gereicht. Besonders im Fastenmonat Ramadan gehört sie zu den beliebtesten Gerichten für das abendliche Fastenbrechen. Je nach Region variieren die Füllungen stark: An der Schwarzmeerküste ist die ‚Kaşarlı Pide‘ mit Käse und Ei verbreitet, in Zentralanatolien dominiert die Hackfleisch-Variante, während im Osten oft scharfe Gewürze und Sucuk hinzukommen. Die Kıymalı Pide mit Hackfleisch ist landesweit ein Klassiker und wird das ganze Jahr über in Familien und Restaurants gleichermaßen geliebt.

Zutaten (4 Portionen)

  • 400 g Weizenmehl (Type 550)
  • 1 Päckchen Trockenhefe (7 g)
  • 250 ml lauwarmes Wasser
  • 1 TL Zucker
  • 1 TL Salz
  • 2 EL Olivenöl
  • 400 g Rinderhackfleisch (oder gemischt)
  • 2 Zwiebeln, fein gewürfelt
  • 1 grüne Spitzpaprika, fein gewürfelt
  • 2 Tomaten, gewürfelt (oder 1 EL Tomatenmark)
  • 1 TL Paprikapulver (edelsüß)
  • 1 TL Salz und ½ TL schwarzer Pfeffer
  • 1 Bund frische Petersilie, gehackt
  • 1 Eigelb zum Bestreichen

Zubereitung

  1. Für den Teig Mehl, Trockenhefe, Zucker und Salz in einer großen Schüssel vermischen. Lauwarmes Wasser und Olivenöl zugeben und etwa 8 Minuten zu einem glatten, geschmeidigen Teig kneten.
  2. Den Teig mit einem feuchten Tuch abdecken und an einem warmen Ort etwa 60 Minuten gehen lassen, bis er sich sichtbar verdoppelt hat.
  3. In der Zwischenzeit die Füllung vorbereiten: Zwiebeln und Paprika in etwas Öl bei mittlerer Hitze 5 Minuten glasig anschwitzen.
  4. Das Hackfleisch zugeben und unter Rühren etwa 8 Minuten krümelig anbraten, bis die Flüssigkeit verdampft ist.
  5. Tomaten (oder Tomatenmark), Paprikapulver, Salz und Pfeffer unterrühren und weitere 5 Minuten köcheln lassen. Zum Schluss die gehackte Petersilie unterheben und die Füllung abkühlen lassen.
  6. Den Backofen auf 240 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Den gegangenen Teig in 4 gleich große Portionen teilen und jede auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einem länglichen Oval (ca. 25 cm) ausrollen.
  7. Die Hackfleischfüllung mittig auf den Teigovalen verteilen, dabei einen Rand frei lassen. Die langen Seiten zur Mitte einschlagen und die Enden zu spitzen Schiffchen zusammendrücken.
  8. Den freien Teigrand mit verquirltem Eigelb bestreichen, damit er goldbraun und glänzend wird.
  9. Die Pide auf einem mit Backpapier belegten Blech im vorgeheizten Ofen 12–15 Minuten backen, bis der Rand knusprig und goldbraun ist.
  10. Frisch aus dem Ofen mit einem Stück flüssiger Butter bestreichen, in Streifen schneiden und heiß mit Zitrone servieren.

Nährwerte (pro Portion)

  • Kalorien: 480 kcal
  • Eiweiß: 24 g
  • Fett: 20 g
  • Kohlenhydrate: 50 g

Tipps

  • Für einen extra knusprigen Boden das Backblech oder einen Pizzastein mit vorheizen und die Pide direkt auf die heiße Fläche geben.
  • Variante mit Käse: 2 Minuten vor Ende der Backzeit geriebenen Kaşar oder Mozzarella über die Füllung streuen (Kaşarlı Kıymalı Pide).
  • Variante mit Ei: In der letzten Backminute ein rohes Ei in die Mitte jeder Pide gleiten lassen – so wird sie besonders saftig.
  • Wer es schärfer mag, gibt 1 TL türkisches Pul Biber (Chiliflocken) oder etwas fein gewürfelte Sucuk zur Hackfleischfüllung.
  • Der Teig gelingt am besten, wenn alle Zutaten Zimmertemperatur haben und das Wasser wirklich nur lauwarm (nicht heiß) ist, damit die Hefe aktiv bleibt.

Häufige Fragen

Kann ich den Teig schon am Vortag vorbereiten?

Ja. Den Teig nach dem Kneten abgedeckt in den Kühlschrank stellen – dort geht er langsam über Nacht und wird sogar aromatischer. Vor dem Verarbeiten etwa 30 Minuten bei Zimmertemperatur akklimatisieren lassen.

Wie bewahre ich übrig gebliebene Pide auf?

Gebackene Pide hält sich luftdicht verpackt im Kühlschrank 2–3 Tage. Am besten im Ofen bei 180 °C für 5 Minuten aufwärmen, damit der Rand wieder knusprig wird – die Mikrowelle macht den Teig weich.

Kann ich Kıymalı Pide einfrieren?

Ja, sowohl gebacken als auch ungebacken. Gebackene Pide vollständig auskühlen lassen, einzeln einfrieren und bei 200 °C direkt aus dem Gefrierfach 8–10 Minuten aufbacken. Roh gefüllte Pide vor dem Backen komplett auftauen lassen.

Was passt als Beilage zu Pide?

Klassisch serviert man dazu einen frischen Çoban Salatası (Hirtensalat aus Tomaten, Gurke und Zwiebel), Ayran und Zitronenspalten zum Beträufeln. Eingelegte Chilis oder Joghurt runden das Ganze ab.

Welches Hackfleisch eignet sich am besten?

Traditionell wird Rinder- oder Lammhackfleisch verwendet, da Pide in der Türkei oft halal zubereitet wird. Gemischtes Hackfleisch funktioniert ebenfalls gut und bleibt schön saftig – wichtig ist, dass es nicht zu mager ist.

Murat Gemici
Über den Autor
Murat Gemici

Murat Gemici ist Webdesigner und Digital-Unternehmer aus dem Rhein-Neckar-Raum mit deutsch-türkischen Wurzeln. Auf yemektarifi teilt er die Rezepte, mit denen er aufgewachsen ist — ehrliche türkische Küche, einfach erklärt und für die deutsche Küche angepasst. Wenn er nicht am Herd steht, baut er digitale Projekte rund um gemici.de.

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