Fırın Sütlaç ist der Klassiker unter den türkischen Desserts: ein cremiger Milchreis, der im Ofen eine charakteristische goldbraune Haut bekommt. Serviert wird er traditionell gekühlt in kleinen Tonschälchen und ist der süße Abschluss vieler türkischer Familienessen. Was ihn besonders macht, ist der Kontrast zwischen der leicht karamellisierten Oberfläche und dem samtig-weichen Kern darunter. Anders als kalter Milchreis überzeugt die Ofenvariante durch ihr feines Röstaroma.
Herkunft & Geschichte
Sütlaç gehört zu den ältesten Süßspeisen der türkischen Küche und hat seine Wurzeln in der osmanischen Palastküche, wo Milchdesserts (muhallebi) einen festen Platz auf der Tafel hatten. Milchreis war über Jahrhunderte ein Gericht, das sich sowohl der einfache Haushalt als auch die feine Küche leisten konnten, denn die Grundzutaten Milch, Reis und Zucker waren im gesamten Reich verbreitet. Die Muhallebici, spezialisierte Milchdessert-Läden, prägen bis heute das Straßenbild türkischer Städte und machten Sütlaç zu einem beliebten Alltagsdessert. Die Ofenvariante Fırın Sütlaç entwickelte sich, als man den fertigen Milchreis zusätzlich überbacken ließ, um die typische Kruste zu erzeugen.
In der Türkei wird Fırın Sütlaç das ganze Jahr über gegessen, besonders gern nach schweren Fleischgerichten und beim Fastenbrechen im Ramadan. Klassisch reicht man ihn in flachen, feuerfesten Tonschälchen (güveç), die die Hitze gleichmäßig halten und die Kruste besonders schön bräunen. Regional gibt es Unterschiede: Am Schwarzen Meer und in Anatolien wird er oft kräftiger und mit mehr Reis zubereitet, während er in Istanbuler Muhallebici eher fein und cremig serviert wird. In manchen Regionen wird zusätzlich ein wenig Reismehl oder Weizenstärke zum Binden verwendet, andernorts schwört man auf reines Reiskorn. Ein Klecks Vanille oder ein Hauch Mastix (damla sakızı) ist die klassische Aromanote.
Zutaten (6 Portionen)
- 1 Liter Vollmilch
- 100 g Rundkornreis (Milchreis)
- 150 g Zucker
- 30 g Speisestärke
- 300 ml Wasser
- 1 Päckchen Vanillezucker (oder 1 TL Vanilleextrakt)
- 1 Prise Salz
- 1 Eigelb (zum Bestreichen, optional)
- 1 EL gemahlene Pistazien oder Zimt zum Bestreuen (optional)
Zubereitung
- Den Reis mit dem Wasser und einer Prise Salz in einem Topf zum Kochen bringen und bei kleiner Hitze ca. 15 Minuten köcheln lassen, bis das Wasser fast vollständig aufgesogen und der Reis weich ist.
- Die Milch dazugießen und alles bei mittlerer Hitze weitere 10 Minuten unter gelegentlichem Rühren erhitzen, ohne dass es überkocht.
- Zucker und Vanillezucker einrühren und 5 Minuten weiterköcheln lassen, bis sich der Zucker vollständig gelöst hat.
- Die Speisestärke in etwas kalter Milch oder Wasser glattrühren, langsam unter ständigem Rühren zur Reismasse geben und 3–4 Minuten kräftig rühren, bis die Masse cremig eindickt.
- Den Milchreis vom Herd nehmen und gleichmäßig in feuerfeste Tonschälchen oder kleine Auflaufförmchen füllen.
- Die Schälchen in ein tiefes Backblech stellen und dieses etwa 2 cm hoch mit heißem Wasser füllen (Wasserbad), damit die Kruste gleichmäßig bräunt.
- Nach Wunsch die Oberfläche dünn mit verquirltem Eigelb bestreichen für eine intensivere Bräunung.
- Im vorgeheizten Ofen bei 220 °C Ober-/Unterhitze auf der obersten Schiene ca. 20–25 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun gefleckt ist.
- Die Schälchen aus dem Ofen nehmen, auf Zimmertemperatur abkühlen lassen und anschließend mindestens 2 Stunden im Kühlschrank durchkühlen.
- Vor dem Servieren nach Belieben mit gemahlenen Pistazien oder etwas Zimt bestreuen.
Nährwerte (pro Portion)
- Kalorien: 290 kcal
- Eiweiß: 7 g
- Fett: 8 g
- Kohlenhydrate: 46 g
Tipps
- Für die typische Fleck-Kruste unbedingt die oberste Ofenschiene und Grillfunktion in den letzten Minuten nutzen – so bräunt die Oberfläche punktuell wie beim Original.
- Variante Schokolade: 2 EL Kakao in einen Teil der Masse einrühren und marmoriert einfüllen – bei Kindern besonders beliebt.
- Variante mit Mastix: Eine kleine Prise gemörserten Mastix (damla sakızı) mit dem Zucker einrühren – gibt das unverwechselbare Aroma der Muhallebici.
- Wer keine Tonschälchen hat, kann eine große Auflaufform verwenden; die Backzeit verlängert sich dann um 5–10 Minuten.
- Vollmilch verwenden – mit fettarmer Milch wird der Sütlaç weniger cremig und die Kruste blasser.
Häufige Fragen
Wie bewahre ich Fırın Sütlaç auf?
Abgedeckt im Kühlschrank hält er sich 3–4 Tage. Er schmeckt gekühlt am besten und wird durch die Ruhezeit sogar noch cremiger.
Kann ich Fırın Sütlaç vorbereiten?
Ja, ideal sogar. Bereite ihn am Vortag zu und lass ihn über Nacht durchkühlen – so entfaltet sich das Aroma am besten und er ist perfekt zum Servieren.
Kann man Fırın Sütlaç einfrieren?
Einfrieren wird nicht empfohlen, da die cremige Textur beim Auftauen wässrig und körnig werden kann. Frisch aus dem Kühlschrank ist er am besten.
Warum wird meine Kruste nicht goldbraun?
Die Schälchen müssen ganz oben im Ofen bei hoher Oberhitze stehen. Ein kurzes Zuschalten der Grillfunktion in den letzten 3–5 Minuten sorgt für die typischen braunen Flecken.
Womit serviert man Fırın Sütlaç am besten?
Klassisch pur und gekühlt. Dazu passt ein türkischer Çay oder Mokka. Als Topping eignen sich gemahlene Pistazien, Zimt oder frische Beeren.





